Paludikultur-Newsletter 1|2026
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Paludikultur Highlight
Paludikultur – wer, was und wo?
Jetzt sehen, wie sich die Paludikultur-Projekte über die vergangenen 25 Jahre in Deutschland entwickelt haben! In einer neuen GMC-Schrift sind 146 Projekte systematisch erfasst und ausgewertet.
27/03/2026 Das neue Paper „Die Entwicklung der Projektlandschaft zur Paludikultur – Eine Übersicht und Analyse in Deutschland“ zeigt: Von den insgesamt 146 betrachten Projekten aus den vergangenen 25 Jahren starteten erste Vorhaben bereits in den 1990er Jahren – noch bevor der Begriff „Paludikultur“ 1998 geprägt wurde. Mehr als 75 % aller Projekte wurden jedoch in den letzten zehn Jahren umgesetzt, was den wachsenden Stellenwert des Themas unterstreicht.
Die meisten Projekte finden sich in den moorreichen Bundesländern. Mecklenburg-Vorpommern (44 Projekte) und Niedersachsen (41 Projekte) führen die Liste an. Die Themenvielfalt dabei ist groß: Besonders in den Jahren 1995 bis 2010 standen Pflanzenbau und Verwertung im Fokus. Betriebswirtschaftliche Aspekte wurden meist begleitend untersucht, während Fragen zu Planung und Genehmigung bisher unterrepräsentiert sind.
Viele Projekte konzentrieren sich auf spezifische Landnutzungs- und Verwertungsoptionen – etwa Torfmoose und Rohrkolben für die Substratherstellung oder Rohrkolben und Schilf als Baustoff. Gleichzeitig gibt es zahlreiche Projekte, die sich mit einer breiten Palette an Nutzungsmöglichkeiten beschäftigen.
Neben der Publikation in der GMC-Schriftenreihe liegt die vollständige Liste der 146 Projekte als offene Excel-Datei für weitere Arbeiten zum Download bereit. Interessierte können die Autor*innen zudem mit Vorschlägen für weitere Projekte kontaktieren.
Das Paludikultur-Interview
Türmen für Paludikultur
Christian Brümmer hat den Überblick, welche Treibhausgase aus Landökosystemen deutschlandweit entstehen und speist die Daten in das europäische Messnetzwerk ICOS.
Jetzt wird die Zahl der Messstationen im Land fast schlagartig verdoppelt – vor allem mit Eddy-Kovarianz-Türmen auf Paludikulturflächen. Christian erklärt, warum.
Christian, was ist ICOS?
ICOS steht für Integrated Carbon Observation System. Es ist ein europäisches Netzwerk bzw. eine Forschungsinfrastruktur mit standardisierter Technik zur Messung von Treibhausgasen. Insgesamt 16 Länder machen mit und speisen ihre Daten ein. Ich koordiniere am Thünen-Institut für Agrarklimaschutz in Braunschweig den deutschen Beitrag für ICOS und leite in diesem Kontext das mikrometeorologische Monitoring von Treibhausgasen und Luftschadstoffen. Wir beobachten den Treibhausgasaustausch von Acker, Grünland, Wald und Mooren mit der Atmosphäre.
Warum eigentlich diese aufwendigen Messungen?
Alle sprechen immer über Treibhausgasemissionen und CO2-Einsparungen. Dafür müssen wir wissen, wo die klimaschädlichen Gase herkommen, wie hoch sie sind und was wir machen können, um sie zu reduzieren. Zum Beispiel Ökosysteme so bewirtschaften, dass sie zu Senken werden, also mehr CO2 aufnehmen als sie ausstoßen. Dafür eigenen sich Wälder, aber auch nasse Moore. Durch großflächige Entwässerung in der Vergangenheit sind Moore heute relativ trocken und leider zu großen CO2-Quellen geworden.
Gemessen wird mit sogenannten Eddy-Türmen – wie viele davon gibt es bisher im Rahmen von ICOS?
Bisher 22. Die meisten stehen in Wäldern und auf Grünlandflächen. Es gibt noch viele weitere, die nicht in ICOS organisiert sind.
Jetzt verdoppelt sich die Zahl fast - warum gerade auf Paludikulturflächen?
Knapp 30 Messtürme werden jetzt an Moorstandorten installiert, das ist schon spektakulär. Sie befinden sich auf Paludikultur- und auf Referenzflächen, d.h. auf entwässert genutzten landwirtschaftlichen Moorböden. Sie werden für die nächsten acht Jahre in Betrieb sein. Da kommt ein weltweit einmaliger Datensatz zusammen. Bisher gab es diese Messungen nur in kleineren Projekten mit kürzerer Laufzeit.
Warum sind THG-Messungen gerade hier so wichtig?
Wichtig ist das, weil wir schon genutzte Flächen nicht verlieren wollen, aber zukunftsverträgliche und klimaschonende Nutzungen dafür finden müssen. Paludikulturen bieten hier eine Möglichkeit, egal ob als Anbau von Rohrkolben, Schilf sowie Torfmoosen oder als Nasswiesen. Ihre klimaschützende Wirkung gilt es jetzt einheitlich zu erfassen und zu belegen. Das stellen wir in einem Arbeitspaket des Verbundprojekts PaludiZentrale sicher, in dem neun Forschungs- und Umsetzungsprojekte zu Paludikultur Treibhausgasdaten beitragen. Auch Biodiversität, Hydrologie, Sozioökonomie, Verwertung und weitere landwirtschaftliche Aspekte werden darin betrachtet.
Wie läuft so eine Installation und was genau wird dann gemessen?
Kurz zusammengefasst: Die Eddy-Kovarianz-Türme im Feld bestehen in erster Linie aus einem Windmesser und Treibhausgasanalysatoren. Sie erfassen die lokale Turbulenz, also das dreidimensionale Windfeld, sowie die Treibhausgaskonzentrationen. Daraus können wir die Aufnahme von beispielsweise CO2 aus der Atmosphäre oder aber die Abgabe (Emission) aus dem Ökosystem in die Atmosphäre bestimmen. Das ist ziemlich kompliziert. Letztendlich werden hier Moleküle gezählt, die in beide Richtungen verwirbelt werden. Die Messungen repräsentieren einen bestimmten Bereich des Feldes auf dem der Turm steht. Wir nennen diesen auch Footprint. Er hängt von der Windstärke und Windrichtung ab. Für die lokale Treibhausgas- bzw. Kohlenstoffbilanz sind weitere Informationen wie z.B. die Erntemenge wichtig. Außerdem betrachten wir Wasserstand, Niederschlag, Temperatur und Strahlung. All diese Faktoren beeinflussen den Treibhausgasaustausch.
So eine Anlage braucht Strom, das ist immer eine Herausforderung. Falls ein Stromkasten in der Nähe ist, verlegen wir Kabel in der Erde. Falls nicht, müssen Photovoltaik-Module montiert werden. Nach dem Aufbau können wir vom Büro aus auf die Messungen zugreifen. Aber ca. alle zwei Wochen gibt es eine Wartung vor Ort, um zum Beispiel Spinnweben zu entfernen und Linsen zu putzen.
Warum ist es wichtig, über Ernten auf Flächen Bescheid zu wissen?
In Mooren würde man sich wünschen, das Kohlenstoff als Torf gebunden wird. An Niedermoorstandorten wird dieser vor allem aus unterirdischer Biomasse gebildet. Bei landwirtschaftlich genutzten Flächen – also auch Paludikulturen – wird aber mit der Ernte oberirdische Biomasse entzogen. Das ist zunächst mal ein Verlust von Kohlenstoff für die Fläche, den wir in der Bilanz einrechnen müssen. Wenn er in einer anschließenden Verwertung für die nächsten 10-20 Jahre dauerhaft gebunden wird, etwa in einer Dämmplatte, dann ist das auch super. Denn – wo beziehungsweise wie wollen wir den Kohlenstoff haben? Auf jeden Fall gebunden, aber nicht freigesetzt in der Atmosphäre! Denn dort trägt er zur weiteren Klimaerwärmung bei.
Wie werden die Messdaten konkret genutzt?
Deutschland ist verpflichtet, Emissionen aus sämtlichen Sektoren, aus Verkehr, Industrie, aber auch Landnutzung, in einem nationalen Treibhausgasinventar zu erfassen. Daran lässt sich beurteilen, ob Deutschland die Ziele des Klimaschutzgesetzes erreicht hat oder ob weitere Maßnahmen notwendig sind. Dafür gibt es Daten und für die einzelnen Sektoren Faktoren, anhand derer sich Emissionen für das ganze Land skalieren lassen. Für Paludikultur gibt es diese Emissionsfaktoren aber noch nicht. Solche Faktoren sind unser Ziel, idealerweise nach verschiedenen Paludikulturen differenziert. Und im besten Fall belegen diese die klimawirksame Leistung der Paludikulturen, da Emissionen gegenüber herkömmlicher Moornutzung deutlich reduziert werden.
Das klingt auch etwas trocken – macht diese Arbeit eigentlich Spaß?
Es macht total Spaß und ich mache seit 15 Jahren nichts anderes! Es verbindet Technik, Ökologie und aufwendige Datenanalyse. Zum einen Teil bin ich mit den Kollegen mit hoch entwickelter Messtechnik in der Natur unterwegs. Wir haben so einen großen Informationsgewinn darüber, wie das Handeln des Menschen, also durch seine Landnutzung, sich direkt auf unser Klima auswirkt.
Wann lassen sich erste Aussagen zu den Paludikulturflächen treffen?
Die Bilanzierung erfolgt auf Jahresbasis für hauptsächlich CO2, Methan und bei Referenzflächen auch Lachgas. Wir werden bald die ersten kompletten Jahresdatensätze von den neuen Eddy-Türmen in unserer Datenbank haben. Dann können vielleicht schon sehen, welche Paludikultur die klimawirksamste ist.
Das Interview führte Nina Körner.
Neuigkeiten aus Paludikultur-Projekten
Pfade zum Moorklimaschutz nach 2045
Wie kann Moorklimaschutz bis zum Zieljahr der Klimaneutralität 2045 und darüber hinaus gestaltet werden? Ein Workshop im Rahmen des UBA-Projekts„Neue Impulse für den Klimaschutz durch Moorbodenschutz“ diskutierte Transformationspfade für eine langfristige Wiedervernässung und Paludikultur.
Das Projekt „Neue Impulse für den Klimaschutz durch Moorbodenschutz“ untersucht Datengrundlagen zur Erfassung der Klimawirkung von Moorböden, analysiert politische Strategien und Instrumente im europäischen Vergleich und entwickelt Pfade für Moorklimaschutz und nasse Nutzung bis und nach 2045 in Deutschland .
In einem Workshop wurden diese Schwerpunkte aufgegriffen und zentrale Governance-, Finanzierungs- und Transformationsfragen vertieft. Ziel war es, Projektergebnisse gemeinsam mit Akteur*innen aus Wissenschaft, Verwaltung, Politik, Verbänden und Praxis zu diskutieren und praxisnah weiterzuentwickeln.
Im Mittelpunkt stand die Frage, wie politische Zielsetzungen, institutionelle Strukturen, Finanzierung und Marktmechanismen zusammenwirken müssen, um Wiedervernässung und nasse Nutzung in Deutschland deutlich voranzubringen. Besonders deutlich wurden dabei vier Punkte, die für den langfristigen Erfolg entscheidend sind:
Moorklimaschutz braucht Verbindlichkeit. Ambitionierte Ziele schaffen Planungssicherheit und politische Legitimation. Wirksam werden sie aber nur, wenn sie durch konkrete Maßnahmen und einen verlässlichen Rechtsrahmen unterlegt sind. Entscheidend ist das Zusammenspiel von nationalen Zielvorgaben und regionalen Akteur*innen, die passende Umsetzungsstrategien entwickeln.
Für die Umsetzung braucht es starke Strukturen und einfachere Verfahren. Diskutiert wurden regionale Koordinierungsstellen und Zweckverbände beispielsweise auf Ebene von Wassereinzugsgebieten, um großräumige Wiedervernässung besser planen und steuern zu können. Gleichzeitig müssen Genehmigungsprozesse vereinfacht und Zuständigkeiten klarer geregelt werden.
Ohne tragfähige Finanzierung gelingt die Transformation nicht. Neben öffentlichen Förderinstrumenten ging es auch um private Finanzierung, etwa über Kohlenstoffmärkte und Mischfinanzierungsmodelle. Gerade in der Übergangsphase bis zur Etablierung stabiler Wertschöpfungsketten für Paludikultur können solche Ansätze helfen.
Märkte für Paludikultur müssen weiterentwickelt werden. Nötig sind hierfür neue Erkenntnisse hinsichtlich Rohstoffqualität, Verarbeitung und Logistik aber auch gezielte Förderungen, die an regionalen Angebots- und Nachfragestrukturen ausgerichtet sind. Regionale Rohstoffhubs und mobile Verarbeitungstechnologien könnten dazu beitragen, Verarbeitungs- und Transportkosten zu senken und Paludikultur-Biomasse besser in bestehende Märkte zu integrieren.
Die Workshop-Ergebnisse werden derzeit aufgearbeitet. Mehrere Publikationen im Auftrag des Umweltbundesamtes (zu finden unter der Forschungskennzahl 3723 NK 101 0) werden zentrale Erkenntnisse zu Datengrundlagen, politischen Instrumenten und langfristigen Pfaden des Moorklimaschutzes bündeln.
Autorin : Nahleen Lemke, Humboldt-Universität zu Berlin
Büffel & Moor in Brandenburg
Rund 70 Teilnehmende diskutierten am 25. März 2026 über die Zukunft der Wasserbüffelhaltung auf Moorstandorten. Auf der Agenda: Wertschöpfung, fehlende Schlacht- und Verarbeitungsstrukturen sowie Potentiale für Klima- und Artenschutz. Auf dem Menü: Wasserbüffelprodukte.
Aus ganz Deutschland kamen Halter, Schützer, Schlachter, Verarbeitungsunternehmen sowie Vertriebsprofis zur Veranstaltung „Büffel & Moor“ zusammen, um sich über aktuelle Herausforderungen und Perspektiven der Wasserbüffelhaltung auszutauschen. Im Mittelpunkt standen Vorträge und Diskussionen, die sich mit den verschiedenen Bereichen der Wertschöpfungskette beschäftigen – von der Weide bis auf den Teller. Die Beiträge machten deutlich, dass die Bewirtschaftung mit Wasserbüffeln mit einigen strukturellen Engpässen und Hürden einhergeht. Insbesondere fehlen in Brandenburg regionale Schlachtkapazitäten, was zu langen Transportwegen führt. Deswegen werden etliche Wasserbüffel durch den sogenannten Weideschuss direkt auf der Weide getötet. Das erspart den Tieren den Stress durch Transport oder Schlachthof. Doch diese 2021 im EU-Recht verankerte Möglichkeit ist bei einigen Genehmigungsbehörden noch nicht zu einer gängigen Praxis geworden. Zudem ist die Zahl der Verarbeitungsbetriebe von der Grobzerlegung bis zur Wurstproduktion begrenzt. Als zentrale Ursachen wurden der Fachkräftemangel im Fleischerhandwerk sowie hohe regulatorische Anforderungen benannt, von Meisterpflichten bis hin zu komplexen Genehmigungsverfahren für Schlachtstätten.
Ein klarer Schwerpunkt der Veranstaltung lag auf der Entwicklung konkreter Lösungsansätze. In den Pausen gab es gezielt Raum für Austausch, wodurch neue Kontakte geknüpft, bestehende Netzwerke vertieft und direkte Kooperationen angebahnt werden konnten, etwa zwischen Tierhaltenden, Verarbeitungsbetrieben und Vermarktungsakteuren. Damit leistete „Büffel & Moor“ einen ganz praktischen Beitrag zur Weiterentwicklung von Wertschöpfungsketten. Gleichzeitig trug das Format wesentlich zum Kompetenzaufbau bei: Die Beiträge vermittelten praxisnahes Wissen zu Haltung, Schlachtung, Verarbeitung und Vermarktung, um die Wasserbüffelhaltung als tragfähige Form der Bewirtschaftung auf nassen Moorstandorten weiter zu etablieren. Durch die extensive Beweidung fördern Wasserbüffel zudem artenreiche Feuchtlebensräume und leisten einen Beitrag zum Klimaschutz, da wiedervernässte Moorböden große Mengen CO₂ speichern.
Der krönende praxisnahe Abschluss war die Verkostung von 15 Wasserbüffelprodukten. Die Teilnehmenden hatten aus allen Teilen Deutschlands, Gulasch, Salami, Knacker, Bratwurst und andere Köstlichkeiten mitgebracht. Das Fleisch des Wasserbüffels ist besonders fett- und cholesterinarm und ist daher gesünder als beispielsweise der Verzehr von Rindfleisch. Die Teilnehmenden kürten drei Produkte zu den Favoriten. Neben einer Urkunde erhielten die Preisträger eine von der Künstlerin Anja Fiedler überreichte „Moorpraline“, die die Verbindung von Moorschutz und Ernährung praktisch und künstlerisch erfahrbar macht.
Die Veranstaltung wurde gemeinsam vom Moorbodenpilotprojekt BLuMo des Landesamtes für Umwelt Brandenburg, dem MOORBÜFFEL-Projekt und dem Deutschen Büffel-Verband e. V. organisiert.
Autorin: Bettina Tacke, Referentin Kommunikation & Stakeholdermanagement am Landesamt für Umwelt Brandenburg
Neu: Podcastreihe „Nass und nachhaltig“
Vier Teile hat die neue Podcastreihe zu Pilotprojekten zum Moorbodenschutz des Bundesumweltministeriums. Zu Wort kommen Landwirt*innen, Wissenschaftler*innen und Unternehmen.
Mit Nass und nachhaltig – Klima, Landwirtschaft und die Zukunft unserer Moorböden hat die Zukunft – Umwelt – Gesellschaft (ZUG) einen eigenen Podcast gestartet. Im Fokus stehen die vier vom Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) geförderten Pilotprojekte zum Moorbodenschutz. Sie erproben, wie sich Moorböden nass und zugleich wirtschaftlich tragfähig nutzen lassen – praxisnah, regional angepasst und übertragbar auf andere Regionen. Die Hörer*innen erhalten Einblicke in Praxis, Forschung und Entwicklung rund um die Wiedervernässung von Mooren und die landwirtschaftliche Nutzung nasser Moorböden.
Veranstaltungsreihe "Ein Jahr in Mooren"
„Ein Jahr in Mooren“ bietet jeden Monat eine Veranstaltung zu Moor – ganz analog, kostenfrei und offen für alle Interessierten vor Ort rund um Greifswald. Auch Nutzungsgeschichte und Paludikultur sind bei den Exkurionen und Leseabenden ein Thema.
“Ein Jahr in Mooren” ist eine Veranstaltungsreihe des Greifswald Moor Centrums, die über das Jahr hinweg die vielfältige Moorlandschaft in und um Greifswald sowie in Vorpommern erkundet. Jeden Monat führt eine Exkursion in ein anderes Moor und beleuchtet wechselnde Themenschwerpunkte – von Biodiversität und Klimaschutz über Nutzungsgeschichte, Paludikultur und Moor-Pädagogik bis hin zu Wiedervernässung und Renaturierung. Die Exkursionen führen in naturnahe Moore, genutzte und degradierte Moore sowie in wiedervernässte Gebiete und machen die unterschiedlichen Zustände und Funktionen von Mooren erlebbar.
Die Exkursionen richten sich an alle interessierten Menschen, sind kostenfrei und erfordern eine Anmeldung unter https://eveeno.com/111806670.
Wie keimt Typha... Am besten?
Andre Jansen wollte herausfinden, wie Typha keimt und was dies für die Zukunft der Paludikultur bedeutet. Seine Ergebnisse sind in einer jetzt online zugänglichen Broschüre zusammengefasst.
Die Broschüre „The germination of Typha species” von Andre Jansen basiert auf einer umfangreichen Literaturrecherche und transferiert ökologisches Wissen in praktische Erkenntnisse für eine nachhaltige Landnutzung und -renaturierung.
Fünf wichtige Erkenntnisse:
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Typha-Arten produzieren enorme Mengen an keimfähigen Samen, wodurch die Aussaat eine vielversprechende und kostengünstige Alternative zum Pflanzen darstellt.
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Der Wasserhaushalt ist der entscheidende Faktor: Schwankende Wasserstände beeinflussen die Keimung und die Etablierung der Sämlinge stark, optimal sind ca. 2,5-15 cm hohe Wasserstände über Flur.
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Typha-Samen keimen unter den richtigen Bedingungen schnell und zuverlässig, insbesondere bei ausreichender Licht- und Temperaturversorgung.
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Die Fähigkeit der Arten, dauerhafte Samenbanken zu bilden, ermöglicht eine schnelle Besiedlung nach Wiedervernässung.
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Das Verständnis der Keimungsökologie ist für eine erfolgreiche Paludikultur und den Schutz von Mooren unerlässlich.
Eco Congress 2026 – Paludikultur im Fokus
Das Thema Paludikultur nahm auf dem diesjährigen Eco Congress eine zentrale Stellung ein. Dabei kamen niederländische und deutsche Expert*innen kamen zusammen.
Unter dem Leitthema „Regional Resources for the Future“ fand am 12. und 13. März 2026 der Eco Congress im Forum Alte Werft in Papenburg statt. Diskutiert wurden vielfältige Themen aus dem Bereich nachhaltiger Stoffkreisläufe, darunter Paludikultur als einer von fünf Schwerpunkten.
Veranstalter des Kongresses waren Ecoras und das 3N Kompetenzzentrum mit der Kompetenzstelle Paludikultur Niedersachsen. Sie ist die zentrale Informationsstelle für Paludikultur in Niedersachsen und war für die Sichtbarkeit der Paludikultur auf dem Kongress zuständig.
Zahlreiche Partner aus FNR, Interreg und ML geförderten Paludi-Projekten – wie RoNNi, NAPALU, Paludi & Bau, Paludi & Markt und PaludiFarming – waren als Sprecher*innen Teil des vielseitigen Programms.
Im Verlauf des ersten Tages führten Christian Fritz, von der Radboud Universität Nijmegen, und Gerald Jurasinski, vom Greifswald Moor Centrum, die 160 Teilnehmer*innen in die Paludikultur ein. Insbesondere schilderten sie die Entwicklungen der Moorbewirtschaftung aus niederländischer und deutscher Sicht.
Später boten Produktvorstellungen einen Einblick in die praktische Nutzbarmachung von Anbau-Paludikulturen und Nasswiesen. Phillip Rutsch von der OBI Group Holding stellte den Paludi-Karton mit 10 % Paludi-Biomasse vor. Inspirierend waren außerdem: das von Sjanie Hindenberg (Klasmann-Deilmann GmbH) mitgebrachte Sphaxx – ein Substrat aus kultiviertem Torfmoos als Torfersatzprodukt; die Verwertung von Rohrkolben zu Dämmmaterial der Bouwgroep Dijkstra Draisma (vorgestellt von Coen Verboom) sowie die Nutzung von recyceltem Schilf für Bau und Innenausstattung von Perta Boorsma (Biosintrum).
Am zweiten Kongresstag tauchten die Teilnehmer*innen noch tiefer in die Wertschöpfungsketten von Paludikulturen ein. Unter dem Titel „Paludikultur – Vom Feld zum Produkt“ wurde in drei Paneldiskussionen über Erfolge und Hürden in der Etablierung stabiler Wertschöpfungsketten von Torfmoos, Rohrkolben und Nasswiesen diskutiert. Die niederländischen und deutschen Expert*innen kamen dabei aus allen Bereichen entlang der Wertschöpfungsketten – vom Anbau und Ernte der Biomasse bis zur Verarbeitung, Testung und Vermarktung der Produkte – und brachten praxisnahe Erfahrungen mit. Zu den zentralen Erkenntnissen gehörte, dass es für eine verstärkte Umsetzung von Paludikulturen klare und vereinfachte politische Rahmenbedingungen braucht. Ebenso entscheidend ist es, ins Handeln zu kommen. Dass sich dieser Weg lohnt, zeigt das Erfolgsbeispiel des bereits heute wirtschaftlich tragfähigen Anbaus von Torfmoos.
Auf der Posterpräsentation nahm Paludikultur den größten Bereich der Ausstellung ein. Unter anderem konnte man sich über das PaludiNetz oder das LivingLab Teufelsmoor informieren. Exponate wie Paludipapier, Dämmplatten oder Paludi-basierte Filamente wurden schnell zum Ausgangspunkt für lebhafte Gespräche. Im Außenbereich waren außerdem die innovativen Erntemaschinen der Firma Wittrock zu sehen, die speziell für den Einsatz auf Paludi-Flächen angepasst und in unseren Projekten bereits getestet wurden.
Daneben war auch der Building Based on Biobased (BBoBB)-Showroom ausgestellt, in dem Besucher*innen darüber informiert werden, wie aus Holz und nachwachsenden Rohstoffen, wie Rohrkolben, nachhaltige Bau- und Dämmstoffe entstehen.
Rundum war das Thema Paludikultur auf dem diesjährigen Eco Congress sichtbarer als je zuvor. Besonders deutlich wurde, dass die deutsch niederländische Zusammenarbeit großes Potenzial besitzt: unterschiedliche politische Rahmenbedingungen und Herangehensweisen eröffnen wertvolle Chancen, voneinander zu lernen und die Umsetzung von Paludikulturen voranzubringen.
Autoren: Sophia Storm und Jessica Meißner, beide von der Kompetenzstelle Paludikultur Niedersachsen
Veranstaltungen zu Mooren und Paludikultur
Alle aktuellen Veranstaltungen sind in unserem Online-Kalender zusammengestellt.
Lesetipp
Neue Broschüre der toMOORow-Initiative (2026) Paludi-Perspektiven – Hier wächst die Zukunft - Einblicke in die Arbeit der Paludi-Allianz
Über diesen Newsletter
Dieser Newsletter wurde im Rahmen des Projektes PaludiZentrale erstellt und durch das Greifswald Moor Centrum unterstützt. PaludiZentrale wird durchgeführt von Thünen Institut, Universität Greifswald und Succow Stiftung, beide Partner im Greifswald Moor Centrum. Gefördert wird es durch das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) durch die Fachagentur für Nachwachsende Rohstoffe.
V.i.S.d.P.: Nina Körner, Franziska Tanneberger, Merten Minke.








