Paludikultur-Newsletter 2|2026
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Paludikultur Highlight
Moor in mehr Munde
Moor erfrischend ins Gespräch zu bringen, dafür ist Bier kein schlechtes Medium. Deswegen haben wir die Deutsche Meisterschaft der Hobbybrauer mit Botanicals aus genehmigten Sammlungen und als Jury gerne unterstützt.
Moor in mehr Munde – welcher Moorpassionierte wollte das nicht? Die Moorbiere der Deutschen Meisterschaft der Hobbybrauer der Störtebeker Braumanufaktur haben einige Moorforschende des Greifswald Moor Centrum daher gerne als Jury verkostet. Bei Geschmäckern und Farben von moorig dunkel bis sumpfdotterblumengelb, war es nicht leicht das Gewinnerbier zu bestimmen! Die Moor&Bier-Kombi ist nicht nur erfrischend. Sie macht es möglich, viele Menschen ungezwungen auf Moore aufmerksam zu machen. Natürlich träumen wir am GMC davon, die „botanicals“ am besten in wiedervernässten Mooren anzubauen, also Felder von Paludikulturen von Gagelstrauch und Moorbirken für den Serienbrau von leckeren Moorbieren. Aber noch gilt: Achtung! Für den Brauwettbewerb haben wir die pflanzlichen Zutaten aus dem Moor mit einer besonderen Genehmigung gesammelt. Besonders in intakten Mooren, die oft unter Naturschutz stehen, darf man Pflanzen nicht pflücken und entnehmen! Mehr Erfahrung zum Moorbierbrauen aus ersten Händen – oder Fässern – gibt es bei der Siegerehrung am 5. September in Stralsund. Bis dahin -Prost!
Das Paludikultur-Interview
Mehr Moor, mehr Stechmücken?
Patrick Gutjahr hat drei Jahre im Unteren Peenetal Stechmücken (Diptera: Culicidae) auf naturnahen, entwässerten und wiedervernässten Flächen und angrenzenden Siedlungen im Projekt CuliMoor untersucht. Bisher gibt es dazu noch nicht viele Daten. Doch diese sind wichtig, um diese Ökosysteme zu restaurieren, gleichzeitig die Gesundheit von Menschen und Tieren zu schützen und Mythen entgegenzuwirken.
Herr Gutjahr, ein „Stechmückenmonitoring“ in wiedervernässtem Moor– wie sähe da der best case und der worst case aus?
Der best case wäre ein ganz diverses Stechmückenvorkommen mit hohem Ökosystemwert, die Mücken halten sich nur in einem kleinen Radius zum Brutgebiet auf und tragen keine Krankheitserreger. Entsprechend der worst case: viele Vertreter weniger Stechmückenarten, die im Moor brüten, aber bei der Wirtssuche weit in umliegende Ortschaften fliegen und Krankheitserreger tragen. Ich sage bewusst tragen, nicht übertragen, denn ob eine Stechmücke einen Erreger nicht nur aufnehmen sondern auch weitergeben kann, hängt von sehr vielen Faktoren ab. Am wichtigsten: Nicht jede Stechmücke ist ein Vektor, also ein Überträger, für Krankheitserreger und nicht jeder Vektor kann jeden Erreger übertragen. Es kommt auf die spezifische Kombination an. Wir sprechen dann von der Vektorkompetenz einer Stechmückenart bzgl. eines bestimmten Erregers. Für viele unserer einheimischen Arten gibt es solche Untersuchungen bisher aber leider nicht bzw. nicht für alle potentiell zirkulierenden Erreger. Es braucht dazu aufwendige Laborversuche, die wir auch in unserem Projekt nicht abdecken können.
Und was haben Sie für Ihr Untersuchungsgebiet herausgefunden?
Unser Untersuchungsgebiet war „nur“ rund 4000 ha groß – östlich von Anklam bis Anklamer Stadtbruch, sowie die Polder Bargischow Nord, Süd und Schanzenberg. Für ein Monitoring ein eher kleines Gebiet, aber wir können jetzt die Artgemeinschaften der Steckmücken den nassen, trockenen und den Siedlungsgebieten zuordnen. Die nassen Flächen im Peenetalmoor sind geprägt von Artgemeinschaften, die Eier eher auf temporär überstauten Überschwemmungsflächen mit dichter Vegetation ablegen. In Ortschaften findet man eher Arten, die ihre Eier allerdings auf stehenden, eher permanenten Gewässern wie z.B. in Regentonnen ablegen. Wir haben zwar mehr Individuen einiger Arten in den nassen Flächen und insgesamt fast 30 verschiedene Arten gefunden – das sind schon viele auf einem vergleichsweise kleinen Raum - aber keine erhöhte Belastung mit Krankheitserregern, also auch kein erhöhtes Infektionsrisiko im Vergleich zu dem, was im Umland zu erwarten wäre. Wir haben auch die Lebensbedingungen für die Stechmücken in den jeweiligen Lebensräumen untersucht, z.B. die Luftfeuchtigkeit oder die Größe der Wasseroberfläche. Diese Bedingungen könnten dann mögliche Stellschrauben sein, um die Population zu beeinflussen. Die Arten mit verschiedenen Brutstrategien scheinen aber auch wenig Tendenz zu zeigen, ihr bevorzugtes Brutareal zu verlassen, obwohl sie zum Teil weite Distanzen, teilweise zwischen 10-20 km, zurücklegen können. Das sind insgesamt erstmal gute Nachrichten für Anwohnende. Sie müssen sich also keine Sorgen machen.
Warum sind diese Ergebnisse wichtig?
Erfahrungsgemäß gibt es viele Stechmücken in Mooren und auch viele Mythen zu Gefahren, die sie für Menschen und Tiere haben. Aber es gibt nur wenige Forschungsdaten dazu. Die Verbreitung von Krankheitserregern und ihren Überträgern in Mooren ist ein weißer Fleck; noch niemand hat sich damit so richtig befasst. Es ist nicht entscheidend, wie viele Stechmücken es in Mooren gibt. Entscheidend für die Abschätzung des Infektionsrisikos durch Wiedervernässung ist, welche Wirte sie für ihre Blutmahlzeit anfliegen, welche Erreger sie tragen können und ob und wie sie mit Menschen und (Nutz-)tieren in Kontakt kommen. Aus dem Projekt CuliMoor haben wir jetzt erstmals einen vollständigen Datensatz, an dem die Fachgebiete der Landschaftsökologie, der Vektorökologie, Virologie und der Epidemiologie vereint beteiligt waren. Damit kann man Sicherheit und Transparenz schaffen, denn viele Menschen sind interessiert und besorgt. Es bleibt aber wichtig, Pauschalisierungen zu vermeiden.
Was heißt das genau?
Es gibt kaum Stechmückenarten in Deutschland die sich speziell als „Moormücken“ charakterisieren lassen. Es gibt es unterscheidbare Artgemeinschaften. Wir gehen davon aus, die Gemeinschaften hängen mit Moortyp und -nutzung zusammen. Mit Sicherheit sagen lässt sich das nach unserer Pilotstudie noch nicht. Es ist sehr wichtig, genau zu wissen mit welchen Arten man es zu tun hat. Das zeigt sich zum Beispiel am seit 2018 in Deutschland etablierten West-Nil Virus (WNV), das sich vor allem in den neuen Bundesländern und im Großraum Berlin mittlerweile häufig findet. Der Erreger kann beim Menschen zum Westnilfieber, einer meist grippeähnlich verlaufenden Infektion, führen. Er wird bei uns vor allem durch die Gemeine Hausmücke (Culex pipiens s.l.) übertragen. Also einer Stechmückenart, die sich besonders dominant in Siedlungsbereichen findet. Da diese Art zwar auch in nassen Mooren vorkommt, allerdings meist deutlich weniger dominant als in Siedlungen, ist bezogen auf diesen Erreger also von einem veränderten Infektionsrisiko auszugehen. Der pauschale Ansatz: „Mehr nasse Moore -> mehr Stechmücken -> höheres Infektionsrisiko“ ist also wahrscheinlich zu kurz gegriffen. Wir dürfen auch nicht vergessen: Stechmücken sind in vielen Ökosystemen auch wichtig als Beute oder manchmal sogar als Bestäuber.
Wie geht so ein Monitoring ganz konkret?
Wir haben in unserer Studie Fallen „im Feld“ verteilt. Von April-November waren diese alle zwei Wochen für je 24 Stunden eingeschaltet.
Und die Fallen funktionieren wie?
Es sind aktive Duftfallen. Sie imitieren die Atmung und den Körpergeruch von Säugetieren und locken Stechmückenweibchen nach der Paarung an. Nur die befruchteten Weibchen sind blutsaugend, ansonsten sind Stechmücken Vegetarier. Ein kleiner Ventilator erzeugt einen Sog, die Stechmücken werden in ein Netz gezogen und dort festgehalten bis wir die Probe am nächsten Tag einsammeln und mit ins Labor nehmen Zur Ergänzung haben wir Brutgewässerproben genommen. Damit können wir nachweisen, ob in Fallen gefangenen Tiere auch im Moor und evtl. dort mehr als anderswo brüten. Außerdem gibt es Arten die nur schlecht oder gar nicht auf die Fallen reagieren, weil die Fallen eben Säugetiere imitieren und manche Stechmückenarten lieber Vögel oder Amphibien und Reptilien anfliegen. Wir bekommen damit Hinweise auf die Distanz zwischen den Brutflächen und den Fallenfängen – das kann ziemlich entscheidend sein.
Dann geht es im Labor weiter?
Dort bestimmen wir die Arten und ihre Häufigkeit anhand äußerer Merkmale und mittels genetischer Untersuchung. Die häufigsten Arten und blutgesogenen Tiere testen wir auf Viren und Parasiten und können den Blutwirt bestimmen. Allerdings finden wir eher selten Mücken mit „vollem Magen“, denn diese ziehen sich für zwei bis drei Tage zur Verdauung vor der Eiablage zurück und reagieren dann nicht mehr auf die Fallen. Außer Fischen sind übrigens alle Wirbeltiergruppen von Stechmückenstichen betroffen, auch Vögel oder Amphibien und Reptilien.
Was passiert mit den Forschungsergebnissen?
Wiedervernässungsprojekte werden zum Glück häufiger und da sollen unsere Ergebnisse mit einfließen, um die Hauptbefürchtung – also „Malaria-Unfug“ – bei den Anwohnern zu entkräften und über die Ökologie und Epidemiologie an Hand fundierter Forschungsergebnisse aufzuklären. Unsere Resultate lassen sich auch übertragen, hauptsächlich für Niedermoore im südlichen Ostseeraum oder für Gebiete mit vergleichbarem Wasserstandswechsel. Das können unter bestimmten Umständen Randbereiche von Auen oder Seen sein.
Das Interview führte Nina Körner.
Das Projekt CuliMoor – Erhebung der Stechmückenfauna (Diptera Culicidae) im Rahmen der Wiedervernässung von Mooren hinsichtlich der Bewertung des Auftretens von Zoonosen des Friedrich-Loeffler-Instituts und Greifswald Moor Centrum identifizierte von 2023-2026 fast 140.000 Stechmücken aus knapp 30 Arten und fünf Gattungen aus naturnahen, entwässerten und wiedervernässten Flächen und angrenzenden Siedlungsgebieten um die Risiken zu bewertet, die sie für Menschen und Tiere in den Gebieten evtl. bergen.
Neuigkeiten aus Paludikultur-Projekten
Wer von Dürre spricht, muss über Wasser reden
Ein neues Informationspapier des GMC hat am International Day of Desertification die Bedeutung von Mooren für den Wasserrückhalt in Landschaften, für Biodiversität und eine nachhaltige Nutzung hervorgehoben
Nasse und wiedervernässte Moore leisten einen wichtigen Beitrag, um Landschaften widerstandsfähiger gegenüber zunehmenden Trockenperioden und Extremwetterereignissen zu machen. Zwar bleiben die Niederschlagsmengen insgesamt ähnlich wie bislang, aber sie sind ungleicher verteilt. Extremwetterereignisse wie Starkregen und lange trockene Perioden nehmen zu. Wie Moore den Landschaftswasserhaushalt regulieren, welche Faktoren ihre Wasserspeicherfähigkeit bestimmen und welche Rolle Wiedervernässung für Hochwasser- und Klimaschutz spielt, wird in einem aktuellen Infopapier näher erläutert. Darin wird auch aufgezeigt, unter welchen Bedingungen Wiedervernässung erfolgreich umgesetzt werden kann und welche Herausforderungen bestehen. Für den Klimaschutz ist die Wiedervernässung zentral: Um das Ziel der Netto-Null-Emissionen bis 2045 zu erreichen, müssten jährlich etwa 80.000 Hektar Moor wiedervernässt werden. Entscheidend ist dabei insbesondere der Rückbau künstlicher Entwässerungssysteme.
THG-Emissionen und Moorvernässungs-PV
Wie beeinflussen Solarmodule die Umweltbedingungen und Lachgasemissionen in wiedervernässten Mooren? Eine Masterarbeit im Projekt „Moor-PV“ liefert erste Ergebnisse zum Effekt von Photovoltaik-Anlagen auf die Treibhausgas-Emissionen in einem wiedervernässten Moor.
Photovoltaik-Anlagen auf dafür wiedervernässten Moorböden werden immer mehr als innovative Landnutzungsform diskutiert, um Klimaschutz und Energiegewinnung miteinander zu verbinden. Bisher ist jedoch kaum bekannt, wie sich Solarmodule auf die Umweltbedingungen in wiedervernässten Mooren und damit auch auf Treibhausgasemissionen auswirken. Im Rahmen des Projektes „Moor-PV“ der Uni Greifswald, Partner im Greifswald Moor Centrum (GMC), gefördert von der Joachim Herz Stiftung, wurde im März 2026 die Masterarbeit von Paula Sanchez Alandete, betreut von Dr. Cordula Gutekunst und Prof. Dr. Gerald Jurasinski, abgeschlossen. Ziel der Arbeit war es, erstmals zu untersuchen, wie sich Solarmodule auf Umweltbedingungen in wiedervernässten Mooren auswirken und welche Wirkungen dies für Lachgasemissionen (N₂O) hat. Die Arbeit entstand in Kooperation mit der Wattmanufakctur GmbH & Co. KG, die ihre Photovoltaikanlage auf einem wiedervernässten Moor in Lottorf (Schleswig-Holstein) als Untersuchungsfläche zur Verfügung stellte. Innerhalb von acht Messkampagnen über einen Zeitraum von insgesamt mehr als einem Jahr wurden Lachgasemissionen an Standorten mit und ohne Solarmodulen gemessen. Zusätzlich wurden Umweltvariablen, die die Lachgasemissionen beeinflussen, wie Wasserstand, Bodenfeuchte und Bodentemperatur, erfasst.
Unsere Ergebnisse zeigen, wie es auch aus anderen Untersuchungen bekannt ist, dass die Lachgasemissionen räumlich und zeitlich stark variieren. Als wichtigste Umweltfaktoren zeigten sich die hydrologischen Bedingungen: Hohe und stabile Wasserstände waren in der Regel mit geringeren Lachgasemissionen verbunden. Die Solarmodule beeinflussten die Umweltbedingungen deutlich. An den Modulstandorten waren kurzfristige Schwankungen von Wasserstand, Bodenfeuchte und Bodentemperatur geringer als auf den Vergleichsstandorten. Besonders der Wasserstand zeigte unter den Modulen eine höhere Stabilität und einen höheren Jahresmittelwert, was grundsätzlich die Ziele der Wiedervernässung unterstützt. Entgegen der ursprünglichen Erwartung führte diese Stabilisierung der Umweltbedingungen nicht zu einer generellen Verringerung der Lachgasemissionen; zwischen Standorten mit und ohne Solarmodul konnten keine signifikanten Unterschiede in den Lachgasemissionen festgestellt werden.
Da es sich um die erste bekannte Studie zu den Auswirkungen von Photovoltaikanlagen auf Lachgasemissionen in wiedervernässten Mooren handelt, sollten die Ergebnisse vorsichtig interpretiert werden. Standortbedingungen, Nutzungsgeschichte und weitere Umweltvariablen, die in dieser Arbeit nicht berücksichtigt werden konnten, können die Ergebnisse beeinflusst haben. Gleichzeitig liefern die Untersuchungen wichtige erste Erkenntnisse darüber, wie Solarmodule Umwelt- und Mikroklimabedingungen in wiedervernässten Mooren verändern.
Insgesamt zeigt die Studie positive Ergebnisse für die Kombination von Moorwiedervernässung und Photovoltaik. Zwar konnten keine direkt geringeren Lachgasemissionen unter den Solarmodulen nachgewiesen werden, die beobachteten höheren und stabileren Wasserstände deuten darauf hin, dass Moorvernässungs-PV die Wiedervernässungsziele unterstützen kann. Die Arbeit schafft damit eine wichtige Grundlage für zukünftige Studien zu den Auswirkungen von Solarmodulen auf weitere Treibhausgase wie Methan (CH₄) und Kohlendioxid (CO₂) und trägt dazu bei, das Potenzial dieser innovativen Landnutzungsform besser einschätzen zu können.
Autorin: Paula Sanchez Alandete, paula.sanchezalandete@uni-greifswald.de
Raus aus der Nische - Workshopreihe von Paludi4all
Zu Paludikultur mit Nischenpflanzen und speziell dem Torfmoosanbau bietet das Projekt Paludi4all Workshops in Finnland und Deutschland an. Die Anmeldung dafür läuft. Inzwischen gibt es auch Einblicke in vergangene Workshops zu Rohrkolben- und Schilfanbau.
Nischenpflanzen der Paludikultur – etwa Gagelstrauch, Sonnentau oder Beeren – eröffnen neue Möglichkeiten für Klimaschutz, Biodiversität und regionale Wertschöpfung auf wiedervernässten Moorstandorten in Europa. Ihr Anbau kann zur Treibhausgasreduktion beitragen und gleichzeitig den Weg für innovative biobasierte Produkte und neue Wertschöpfungsketten ebnen. Um diese Chancen näher zu beleuchten, richtet das EU‑Projekt Paludi4All am 11.–12. August 2026 einen internationalen Stakeholder‑Workshop in Kouvola (Finnland) aus. Der Workshop wird vom Natural Resources Institute Finland (LUKE) in Kooperation mit dem Projekt SuoLiike veranstaltet. Er bietet eine Plattform für den Austausch zu Anbausystemen, Nutzungsmöglichkeiten, Produktentwicklung und Wertschöpfungsperspektiven von Nischen‑Paludikulturen. Die Veranstaltung richtet sich an Praktiker*innen, Forschende sowie Akteure entlang der Wertschöpfungskette in Europa, die zu diesem Themenfeld arbeiten. Weitere Informationen zu Programm und Anmeldung sind hier verfügbar: https://www.paludi4all.eu/news-events/stakeholder-workshop-on-niche-paludiculture-crops-cultivation.
Torfmoos stößt als alternatives Material für torffreie Gartenbausubstrate auf wachsendes Interesse. Um dessen Potenziale und Hindernisse zu untersuchen, veranstaltet das EU-finanzierte Projekt Paludi4All in Zusammenarbeit mit dem Projekt MOOSland vom 30. September bis 1. Oktober 2026 einen zweitägigen Workshop für Interessengruppen zum Thema Sphagnum-Anbau im Nordwesten Deutschlands. Das Programm kombiniert eine Exkursion zu Sphagnum-Anbauflächen und Verarbeitungsanlagen in der Nähe von Oldenburg mit einem Workshop in den Räumlichkeiten zu Anbaumethoden, Produkteigenschaften und Marktchancen. Die Veranstaltung ist als Plattform für den Austausch zwischen Experten konzipiert und richtet sich an Akteure aus Forschung, Gartenbau, Substratproduktion, Baumschulen, Politik und Zivilgesellschaft. Weitere Informationen zu Programm, Veranstaltungsort und Anmeldung werden hier veröffentlicht: https://www.paludi4all.eu/news-events/save-the-date-stakeholder-workshop-on-sphagnum-cultivation. In der Zwischenzeit werden Interessierte gebeten, sich unter info@paludi4all.eu an die Organisatoren zu wenden und sich die Termine vorzumerken.
Nachhaltige Feuchtwiesenbewirtschaftung, Biomasseverwertung und Wertschöpfungsketten in der Praxis: Der dritte Paludi4All-Workshops nahm die Teilnehmenden mit auf eine spannende Exkursion zu Moorgebieten rund um Białystok, bot Gelegenheit für länderübergreifenden Erfahrungsaustausch, Fachdiskussionen und gemeinsames Arbeiten, um herauszufinden, wie Feuchtwiesen nachhaltig bewirtschaftet werden können und Wertschöpfung aus deren Paludibiomasse möglich wird. Der zweitägige Workshop Mitte Juni, organisiert vom polnischen Institute of Technology and Life Sciences National Research Institute (ITP‑PIB), besuchte Nasswiesen der Vogelschutzorganisation PTOP (Polskie Towarzystwo Ochrony Ptaków) im Gródecko-Michałowska Becken und im oberen Narew-Flusstal – dort erlebten die Teilnehmenden einen Umgang mit Nasswiesen, der den Torfkörper feucht hält, Biodiversität fördert und trotzdem verwertbare Biomasse für lokale Landnutzer erzeugt, ermöglicht durch ein Abstimmen von Wassermanagement und Mahdprozessen in enger Kooperation mit Landwirten vor Ort und Finanzierung aus Naturschutzprogrammen. Den Bericht dazu und weitere zu vorangegangenen Workshops zu Rohrkolben und Schilfanbau finden Sie unter Paludi4All: News & Events
Autorin: Ratna Tondang, FNR e.V..
Paludi-Summer School
Torf unter den Fingernägeln, neue Ideen im Kopf und ein internationales Netzwerk im Gepäck: Bei der ersten Paludikultur Summer School erkundeten 20 Nachwuchswissenschaftler*innen zehn Tage lang die vielfältigen Facetten der Paludikultur – von Moorhydrologie und Treibhausgasmessungen bis hin zu visionären „Paludi Futures“.
20 Nachwuchswissenschaftler*innen aus Deutschland, den Niederlanden und der Schweiz, davon viele aus PaludiNetz-Projekten, kamen im Juni für zehn Tage zur ersten Paludikultur Summer School zusammen. Diese wurde organisiert vom Projekt PaludiZentrale, einer Zusammenarbeit zwischen dem Thünen-Institut sowie der Universität Greifswald und der Michael Succow Stiftung, beide Partner im Greifswald Moor Centrum.
Zwischen dem Beginn der Summer School in Braunschweig und dem Ende in Greifswald erwartete die Teilnehmenden ein vielfältiges Programm entlang eines breiten Spektrums paludikulturrelevanter Themen. Den Kern bildeten die Grundlagen organischer Böden, Moorhydrologie, Biodiversität, Treibhausgasmessungen sowie die sozioökonomischen und technischen Aspekte der Paludikultur. Ergänzt wurden die theoretischen Einheiten durch Laborbesuche und Exkursionen, die zahlreiche Gelegenheiten boten, das Gelernte durch Anschauung zu vertiefen oder direkt in die Praxis umzusetzen. Zusätzlich ermöglichte die Postersession einen intensiven Austausch unter den Teilnehmenden, aber auch mit Forschenden des Thünen-Instituts, die an der Präsentation der Forschungsarbeiten teilnahmen (Link zu den Interviews). So verließen die Teilnehmenden die Summer School nicht nur mit Torf unter den Fingernägeln, sondern auch mit vielen neuen Fragen zur optimalen Platzierung von Eddy-Kovarianz-Messtürmen und den Herausforderungen hydraulischer Leitfähigkeitsmessungen. Die Exkursionen führten zu einer Vielzahl von Standorten innerhalb des PaludiNetzes. Zu den Höhepunkten gehörten der Besuch bei MOOSland mit der Beobachtung einer Torfmoosernte und bei RoNNi, wo die Vorbereitungen für die Pflanzung von Rohrkolben in vollem Gange waren. Ergänzt wurde dieses durch die Schilfkulturen des Projekts PaludiMV und einem etablierter Rohrkolben-Anbaustandort in Neukalen sowie mehrere Flächen des Moorboden-Monitorings (MoMoK). Den Abschluss bildete ein naturnahes Niedermoor im Peenetal, ein potenzieller zukünftiger Lebensraum für Umsiedlungsmaßnahmen des Seggenrohrsängers. Die Exkursionen machten die Inhalte aus Seminarraum und Labor greifbar und zeigten die Vielfalt der Ansätze, die derzeit im Bereich der Paludikultur entwickelt und erprobt werden.
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Neben dem fachlichen Programm blieb viel Raum für lebhafte Diskussionen, interaktive Spiele, Rollenspiele zum Perspektivwechsel, einen Besuch der Moorbibliothek sowie zahlreiche gemeinsame Aktivitäten. Darüber hinaus wurden die Teilnehmenden eingeladen, kreativ über die Zukunft der Paludikultur nachzudenken und ihre Hoffnungen, Träume und Visionen für mögliche „Paludi Futures“ zu teilen. Die Ideen reichten von innovativen Wertschöpfungsketten für Paludi-Biomasse mit magischen Sortiermaschinen über groß angelegte, immersive Paludikultur-Parks und revolutionäre lokale Infrastrukturen bis hin zur stärkeren Verankerung der Paludikultur im gesellschaftlichen Bewusstsein mit der „Paludi-Barbie“ in Watstiefeln. Andere Visionen betrachteten die Zukunft der Moore sogar aus der Perspektive einer Libelle. Auf ihre Weise war die Summer School damit selbst ein erster Schritt in Richtung dieser Zukunftsvisionen. Durch das Zusammenbringen von Fachwissen, Neugier und Leidenschaft aus unterschiedlichen Universitäten, Organisationen und Ländern entstanden neue Netzwerke, frische Ideen und spannende Kooperationen. Es wurden Freundschaften geschlossen, Perspektiven erweitert und eine neue Generation von Moorfachleuten ging mit neuer Motivation und Optimismus für die zukünftige Entwicklung der Paludikultur zurück nach Hause.
RRR2025 - Aftermovie
Genau der richtige Zeitpunkt, zum International Peatland Day gab es den offiziellen Aftermovie zur Internationalen RRR Conference 2025. Ein Film über 350 Teilnehmende, 84 Präsentationen, ein gemeinsames Thema - der nachhaltigen Nutzung von Mooren, also Paludikultur.
Der Aftermovie zur RRR2025-Konferenz hat Stimmen aus Ländern Europas, Afrika und den USA eingefangen, die die unterschiedlichen Entwicklungsstände und Potenziale zeigen:
Lorna Parker aus dem Vereinigten Königreich berichtet zum bisher experimentellen Charakter dort und dem beginnenden Rohrkolben-Anbau im Great Fen. Leonard Akwany aus Kenia sieht Paludikultur dort noch in den Anfängen, aber auch große Potenziale für Wasser- und Klimaschutz und den Vorteil, auf europäische Erfahrungen bauen zu können.
Prof. Christian Fritz aus den Niederlanden betont die Stärke von Paludikultur, effektiven Klimaschutz mit wirtschaftlicher Nutzung, Vorteilen für den Wasserhaushalt und das Mikroklima zu verbinden. Wissensvermittlung, wirtschaftliche Anreize und Kooperationen zwischen verschiedenen Akteursgruppen hält er für entscheidend für die weitere Implementierung.
Prof. Harald Grethe aus Deutschland schätzt, dass die Transformation hin zu großflächiger Wiedervernässung und Paludikultur die nächsten 15 bis 25 Jahre in Anspruch nehmen wird. Wiedervernässungen mit erneuerbaren Energien zu verknüpfen sowie den intensiven Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis schätzt er dafür als zentral ein.
Orion Blake, Landwirt aus den USA, berichtet über seine Erfahrungen mit nasser Bewirtschaftung im Walkill River Valley. Angesichts von Bodensackungen und zunehmenden Überschwemmungen sieht er in der Paludikultur eine zukunftsfähige Lösung, stößt jedoch auf große Widerstände. Doch mit seinem eigenen Betrieb demonstriert er bereits seit mehreren Jahren, wie sich solche Ansätze lokal und praktisch umsetzen lassen.
Von der Nische fast zum Trend - wie sich Paludikultur in den letzten zehn Jahren entwickelt hat und in Zukunft bestmöglich skaliert werden kann, darüber gibt GMC-Leiterin Franziska Tanneberger einen Einblick. Für sie haben die RRR-Konferenzen seit 2013 einen Beitrag dazu geleistet, indem sie Akteurinnen und Akteure weltweit vernetzt und den Austausch gefördert haben.
Aktuelle nationale Förderentscheidungen wie die Palu-Richtlinie verleihen dem Thema Paludikultur zusätzlichen Auftrieb. Die RRR-Veranstalter Greifswald Moor Centrum und Thünen-Institut sind daher zuversichtlich, auch 2028 wieder Akteurinnen und Akteure aus Wissenschaft, Praxis und Politik zusammenzubringen, um Wissen zu teilen, Netzwerke zu stärken und konkrete Wege für Wiedervernässung und produktive nasse Landnutzung der Moore gemeinsam zu entwickeln.
Palu-Richtlinie – Mehr Nass in trockenen Tüchern
Mehr Nass in trockenen Tüchern hat die Palu-Richtlinie des Bundesumweltministeriums geschafft. Informationen und Beratung bieten das Kompetenzzentrum Natürlicher Klimaschutz und die Rentenbank.
Mit der Veröffentlichung der neuen Palu-Richtlinie des Bundesumweltministeriums steht erstmals ein umfassendes Förderinstrument für die Wiedervernässung landwirtschaftlich genutzter Moorböden und die Etablierung von Paludikultur bereit. Insgesamt 1,75 Milliarden Euro sollen in den kommenden Jahren in Maßnahmen des Moorklimaschutzes fließen.
Die Richtlinie unterstützt unter anderem Planung, Investitionen, Ausgleichszahlungen sowie die Umstellung auf den Anbau von Paludikulturpflanzen wie Rohrkolben, Schilf, Seggen oder Torfmoosen. Nach Einschätzung des Greifswald Moor Centrum schafft sie damit erstmals die Voraussetzungen, um Moorschutz und nasse Bewirtschaftung in größerem Maßstab umzusetzen.
Für einen erfolgreichen Wandel braucht es jedoch mehr als Förderung allein. Neben einer praxisnahen Umsetzung der Richtlinie sind funktionierende Absatzmärkte für Paludibiomasse entscheidend. Anwendungen in Bau- und Dämmstoffen, Verpackungen, Substraten, der Energieerzeugung oder auch die Kombination von Wiedervernässung und Photovoltaik zeigen bereits heute das Potenzial einer nachhaltigen Nutzung nasser Moore.
Die neue Richtlinie gilt daher als wichtiger Meilenstein auf dem Weg, Wiedervernässung und Paludikultur von Pilotprojekten in die breite Praxis zu bringen.
Beratungen und detaillierte Informationen zu Fördermöglichkeiten der Richtlinie gibt bei der Rentenbank sowie Informationen beim Kompetenzzentrum Natürlicher Klimaschutz (Schaffung technischer und hydrologischer Voraussetzungen für die Wiedervernässung von Mooren: das Förderprogramm Palu | Kompetenzzentrum Natürlicher Klimaschutz (KNK)).
Was die GAP der EU für Paludikultur bedeutet
Ein Bericht von Paludi4all analysiert die aktuellen Förderbedingungen für die Paludikultur im Rahmen der EU GAP. Das Ergebnis: gar nicht so schlecht. Einige Länder liefern zudem gute Beispiele. Dennoch gibt es Verbesserungspotenzial.
Die aktuelle Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) 2023–2027 der Europäischen Union stellt über die nationalen GAP-Strategiepläne in den Mitgliedstaaten Mittel in Höhe von 387 Milliarden Euro bereit. Sie bietet mehr Möglichkeiten für den Schutz von Mooren, Wiedervernässung und Paludikultur als frühere Förderperioden, wie aus einem neuen Bericht des EU‑Projekts Paludi4All hervorgeht (Link: Paludi4All_D4.1-Report_on_paludiculture_funding_EU_CAP_2026-03-31_final.pdf). Inwieweit diese Möglichkeiten jedoch in der Praxis umgesetzt werden können, hängt nach wie vor davon ab, wie die Mitgliedstaaten die Rahmenbedingungen der GAP in ihren nationalen Strategieplänen berücksichtigen.
Die aktuelle GAP schafft erstmals einen klareren Rahmen für Moore und Paludikultur. Sie legt einen Mindeststandard für den Schutz von Mooren und Feuchtgebieten fest, adressiert die Förderfähigkeit für Direktzahlungen und öffnet die Tür für neue Öko-Regelungen zur Unterstützung der Paludikultur und der Wiedervernässung von Mooren. Darüber hinaus ermöglicht es die bewährte GAP-Toolbox, Paludikultur durch Agrarumwelt- und Klimaprogramme, Investitionsförderung, Zusammenarbeit, Beratung und Schulungen voranzubringen.
Die landwirtschaftliche Förderfähigkeit bleibt eine zentrale Herausforderung für die Paludikultur. Wichtige Paludikulturpflanzen wie Schilf, Rohrkolben und Torfmoos werden nach wie vor als nichtlandwirtschaftliche Erzeugnisse eingestuft. Bislang haben nur sechs der 27 Mitgliedstaaten die neue Ausnahmeregelung umgesetzt, durch die die Förderfähigkeit von landwirtschaftlichen Flächen in solchen Fällen gewahrt werden kann. Eine Fläche mit Nasswiesen-Paludikultur kann zwar weiterhin als Dauergrünland gelten. Doch dieser Status kann verloren gehen, wenn Nichtfutterpflanzen überhandnehmen. Für Landwirt*innen und Landbewirtschaftende führt dies zu anhaltender Unsicherheit, wenn sie einen Übergang zur Paludikultur in Betracht ziehen.
Der Bericht, veröffentlicht im Rahmen des Projekts Paludi4all, schätzt, dass die derzeitige GAP sowie nationale Weichenstellungen dennoch zunehmend förderlich für Moore und die Paludikultur werden. Länder wie Dänemark, Deutschland, Irland, die Niederlande und das Vereinigte Königreich liefern bereits nützliche Beispiele. Sie zeigen, wie verschiedene nationale Instrumente und politische Ansätze innerhalb und über die GAP hinaus zusammenwirken können. Mit Blick auf die Zukunft könnte ein Policy-Mix dazu beitragen, den Übergang zu unterstützen. Dies würde positive Anreize für die Paludikultur und die Ökosystemleistungen von Mooren beinhalten, während die Unterstützung für die entwässerungsbasierte Moornutzung schrittweise auslaufen würde. Zusätzliche Instrumente, wie beispielsweise eine CO₂-Steuer, könnten ebenfalls dazu beitragen, die Planungssicherheit langfristig zu verbessern.
Paludikultur in Ostafrika – Innovation mit Peat4People
In Ostafrika stehen Moorlandschaften zunehmend unter Druck. Das Projekt Peat4People hat einen Call for Innovation für Paludikultur in Uganda ins Leben gerufen, um lokale Unternehmen und Gemeinschaftsgruppen bei der Entwicklung innovativer Paludikultur-Wertschöpfungsketten zu unterstützen, die nachhaltige Moornutzung mit Einkommensgenerierung verbinden.
Ostafrikanische Moore stehen unter zunehmenden Druck: Entwässerung für die Landwirtschaft, Infrastrukturentwicklung und die Umwandlung in andere Landnutzungsformen treiben die Degradierung in großem Maße voran. Die Gemeinschaften rund um Ugandas Moore sind seit jeher auf deren Ressourcen und Ökosystemdienstleistungen angewiesen. Papyrus (Cyperus papyrus), die dominante Pflanzenart in vielen ostafrikanischen Mooren, wird traditionell für Matten, Körbe, Bedachung und Kunsthandwerk genutzt. Diese Nutzungsformen stellen eine Art extensiver Paludikultur dar, erwirtschaften jedoch oft nur geringe Einkommen. Die Herausforderung und zugleich die Chance besteht darin, auf diesen bestehenden Beziehungen zur Moorlandschaft aufzubauen und gleichzeitig auf nachhaltigere und wirtschaftlich attraktivere Wertschöpfungsketten umzustellen — und damit einen wirtschaftlichen Anreiz für nachhaltige Moornutzung und der Wiedervernässung von Mooren zu schaffen.
Um diesen Wandel zu unterstützen, hat das Projekt Peat4People einen Call for Innovation für Paludikultur in Uganda abgeschlossen. Der Aufruf richtete sich an Unternehmer, Sozialunternehmen, Forschungseinrichtungen und gemeinschaftsbasierte Organisationen, die marktfähige Produkte aus nachhaltig geernteter Moorbiomasse — mit Fokus auf Papyrus — entwickeln und skalieren möchten. Bewerbungen wurden aus ganz Uganda eingereicht und deckten ein breites Spektrum an Innovationen entlang der Wertschöpfungskette ab. Ausgewählte Initiativen erhalten nun maßgeschneiderte Unterstützung durch Peat4People, darunter finanzielle Unterstützung, um den Aufbau nachhaltiger Paludikultur-Wertschöpfungsketten zu unterstützen, sowie Beratung zu nachhaltigem Ernten, Produkt- und Geschäftsentwicklung, Finanzmodellierung sowie Marktzugängen.
Die geförderten Wertschöpfungsketten umfassen ein breites Spektrum an Produktkategorien: papyrusbasierte Papiertücher, biologisch abbaubare Damenbinden, Papyrusfaser in erdbasierten Baumaterialien wie Ziegeln und Platten, saubere Kochbriketts von frauengeführten Gemeinschaftsgruppen sowie hochwertiges Kunsthandwerk wie Matten, Körbe und Dekorationsartikel.
Über die ausgewählten Teilnehmer hinaus investiert das Projekt auch in die Erforschung höherwertiger Papyrusverarbeitung — in Zusammenarbeit mit ZELFO Technology GmbH, einem deutschen Unternehmen, das auf Naturfasertechnik spezialisiert ist. Von ZELFO entwickelte Prototypen zeigen, dass Papyrusfasern zu 100% papyrusbasierten Faserplatten ohne zusätzliche Bindemittel sowie zu geformten Verpackungsschalen (70% Papyrus, 30% Zellulose) verarbeitet werden können. Das Verfahren basiert auf mechanischer Extrusion: getrockneter und granulierter Papyrus wird erneut befeuchtet und durch einen Doppelschneckenextruder geführt, der die natürlichen Selbstbindungseigenschaften der lignozellulosischen Fasern aktiviert. Das entstehende Material kann zu Platten für Bau, Möbel und Verpackung gepresst oder zu Schalen geformt werden. Das Projekt Peat4People sucht weiterhin lokale Unternehmer, die Interesse an der Weiterentwicklung dieser Prototypen haben.
Peat4People hat das Ziel, die nachhaltige Nutzung von Mooren für Menschen, Klima und Biodiversität in Ostafrika zu fördern. Im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) wird es gemeinsam umgesetzt von der GIZ, der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) sowie der Michael Succow Stiftung, Partner im Greifswald Moor Centrum. Das Projekt startete 2025 und läuft bis Ende 2027. Es arbeitet zusammen mit dem Ministerium für Wasser und Umwelt in Uganda und dem Ministerium für Umwelt in Ruanda.
Autoren: Simone Heppe (GIZ), Dr. Samer Elshehawi (Succow-Stiftung)
Sernitz gibt einen Einblick in die Zukunft der wiedervernässten Moorgebiete
Die Wiedervernässung in den Torfwiesen der Sernitz-Niederung bei Greiffenberg (Angermünde) schreitet weiter voran und entwickelt sich zunehmend zu einem Modellbeispiel dafür, wie die Zukunft nasser Moore mit Paludikultur und privatem Investment aussehen kann.
Ein Jahr nach dem offiziellen Spatenstich kamen im Rahmen der toMOORow-Initiative Unternehmen der Allianz der Pioniere, Landwirt*innen sowie Akteur*innen aus Naturschutz und Forschung zusammen, um die Fortschritte der Wiedervernässung und Perspektiven der Paludikultur zu diskutieren. Hier verändert sich die Landschaft sichtbar: Trotz schwieriger Witterungsbedingungen konnten zahlreiche Maßnahmen umgesetzt werden, so wurden große Teile der Entwässerungsgräben innerhalb der Projektfläche verfüllt und mehrere Sohlschwellen eingebaut, um Wasser länger in der Landschaft zu halten und schrittweise flurnahe Wasserstände im Moor wiederherzustellen.
Das rund 360 Hektar große Gebiet der Sernitz-Niederung im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin umfasst die etwa 80 Hektar große Torfwiesen und bietet Lebensraum für zahlreiche gefährdete Arten wie Schreiadler, Wachtelkönig, Kiebitz und Bekassine.
Wie Bewirtschaftung auf wiedervernässten Flächen funktionieren kann, zeigte Landwirt Marc de la Barré mit einer speziell angepassten Raupentechnik für nasse Standorte. Die Vorführung machte deutlich, dass Paludikultur bereits heute praktisch umsetzbar ist. Gleichzeitig wurde diskutiert, welche infrastrukturellen und wirtschaftlichen Voraussetzungen nötig sind, damit nasse Moorbewirtschaftung langfristig tragfähig werden kann.
In der Sernitz entsteht derzeit mehr als ein Wiedervernässungsprojekt: Hier entwickeln Landwirtschaft, Unternehmen, Naturschutz und Forschung gemeinsam neue Wege für den Umgang mit Mooren. Unternehmen der Allianz der Pioniere wollen die regional erzeugte Biomasse künftig für Anwendungen der Bioökonomie nutzen – und damit Klima- und Biodiversitätsschutz mit wirtschaftlicher Nutzung verbinden.
toMOORow ist eine gemeinsame Initiative der Umweltstiftung Michael Otto und der Michael Succow Stiftung, Partner im Greifswald Moor Centrum. Gemeinsam mit der Universität Greifswald wurde 2024 das Verbundvorhaben PaludiAllianz gestartet, um Wertschöpfungsketten für Paludikultur aufzubauen und die Wiedervernässung von Mooren voranzubringen. In dessen Rahmen fand der Austausch am 29.04. statt.
Veranstaltungen zu Mooren und Paludikultur
Alle aktuellen Veranstaltungen sind in unserem Online-Kalender zusammengestellt.
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Dieser Newsletter wurde im Rahmen des Projektes PaludiZentrale erstellt und durch das Greifswald Moor Centrum unterstützt. PaludiZentrale wird durchgeführt von Thünen-Institut, Universität Greifswald und Succow Stiftung, beide Partner im Greifswald Moor Centrum. Gefördert wird es durch das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) durch die Fachagentur für Nachwachsende Rohstoffe (FNR).
V.i.S.d.P.: Nina Körner, Franziska Tanneberger, Merten Minke.










